Warum… sind Illusionisten eine Inspiration für Profiler?

Markus Laymann fragt...

Nachdem der Angeklagte sein Opfer durch hypnotische Gesten willenlos gemacht hatte, schob er es in eine auffällig dekorierte Kiste, die er sodann mit mehreren dafür bereits von Anfang an von ihm bereitgehaltenen Hieb- und Stichwaffen dergestalt durchstieß, dass nach menschlichem Ermessen erhebliche, gar tödliche Verletzungen zu befürchten waren. Nur durch eine glückliche Fügung des Schicksals blieb das Opfer jedoch unversehrt. Ganz offensichtlich trieben den Angeklagten niedere Beweggründe zu seinem Tun. Auch können aufgrund der nicht alltäglichen Kleidung von Täter und Opfer sowie des ungewöhnlichen Dekors der verwendeten Tatwerkzeuge, das auf einen besonders ausgeprägten Fetisch schließen lässt, sexuelle Motive nicht ausgeschlossen werden. Der Angeklagte ist daher schuldig eines versuchten Mordes und mit einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren und anschließender Sicherheitsverwahrung zu bestrafen…

…jedem normal entwickelten Nichtjuristen müssten eigentlich naheliegendere Dinge einfallen, die man mit einer spärlich bekleideten jungen Frau anstellen kann als sie in zwei Hälften zu teilen und zu dramatischer Musik mit Schwertern zu malträtieren.

Vielleicht mag es ja an einer besonders fortgeschrittenen „Deformation professionelle“ des Verfassers dieser Zeilen liegen, dass ihm beim Betrachten vomarkus_karikatur_Fotorn Illusionsdarbietungen immer wieder solcherlei Gedanken durch den Kopf gehen. Aber auch jedem normal entwickelten Nichtjuristen (Tautologie!) müssten eigentlich naheliegendere Dinge einfallen, die man mit einer spärlich bekleideten jungen Frau anstellen kann als sie in zwei Hälften zu teilen und zu dramatischer Musik mit Schwertern zu malträtieren. Es wird noch viel psychologische Forschungsarbeit nötig sein um die Ursachen solcher magischer Gewaltphantasien zu erklären.
Ebenso faszinierend ist für praktizierende Forensiker auch die Fixierung des Illusionsgewerbes auf Jungfrauen. Schon jedes Kind weiss doch, dass ein Zauberer eine Frau nur dann zersägen oder schweben lassen kann, sofern sich diese im Zustand ihrer (zumindest behaupteten) Jungfräulichkeit befindet. Warum ist das so? Tricktechnisch spielt es jedenfalls keine Rolle. Erfahrene Profiler erkennen angesichts dieses Phen-Hymens übrigens eine spannende Parallele mit islamistischen Selbstmordattentätern. Diese lassen sich, wie uns Scholl-Latour & Co. regelmäßig in den üblichen Talkshows erklären, zu ihrem letalen Freizeitvergnügen vor allem dadurch motivieren, dass sie sich im Jenseits von 70 Jungfrauen erwartet wissen. Dem mit der orientalischen Phantasiewelt wenig vertrauten Okzidentalen stellt sich angesichts dessen natürlich unweigerlich die Frage was ein normal entwickelter Mann mit dieser sagenhaften Menge an Jungfern anstellen soll… sofern er nicht gerade für eine große Illusionsshow probt und dafür ausreichend Übungsmaterial benötigt.

Dieser Beitrag erschien im Rahmen meiner monatlichen Kolume “Warum – Markus Laymann fragt” in der Zauberfachzeitschrift Magie im Mai 2014

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