Wie Psychologen Lügner entlarven

Körpersprache wird allgemein überschätzt - Profis konzentrieren sich nur auf Inhalte und Details einer Aussage.

Lügner haben keine lange Nase oder kurze Beine.... © kantver/ fotolia.de

Die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit…Wahrheit und Lüge zu unterscheiden gilt vielen Menschen als erstrebenswerte Fähigkeit. Besonders Richter, Staatsanwälte, Anwälte und Polizisten werden jeden Tag in ihrem Berufsalltag mit Lügen konfrontiert. Aber auch diesen Profis fällt es nicht immer leicht die Wahrheit von einer Lüge zu unterscheiden. Meist haben auch sie nur eine 50/50 Chance. Deshalb kommen in besonders schwierigen Fällen Rechtspsychologen zum Einsatz.

Körpersprache wird überschätzt

Die professionellen Wahrheitsforscher achten dabei jedoch bei Glaubwürdigkeitsanalysen von Zeugen- oder Opferaussagen nicht auf die nonverbalen Signale wie schwitzende Hände oder ausweichende Blicke sondern in erster Linie auf den Inhalt einer Aussage.  Entgegen einem weitverbreiteten küchenpsychologischen Aberglauben gibt es nämlich keinen wissenschaftlich belegbaren Zusammenhang zwischen einer Lüge und nonverbaler Kommunikation, also der Mimik und Gestik des vermeintlichen Lügners. Dies ist übrigens auch der Grund, warum in Deutschland der Einsatz von Lügendetektoren nicht von den Gerichten anerkannt wird.
Wie problematisch die Interpretation körpersprachlicher Signale in diesem Zusammenhang sein kann, belegt auch ein interessantes psychologisches Experiment, das von amerikanischen Psychologen durchgeführt wurde: In einem Video erzählt eine Frau eine Geschichte, die an einigen Stellen nicht der Wahrheit entspricht. Die Testpersonen sollten ermitteln: Hat sie geblufft, und wenn ja, wo? Die Probanden, die nur den Text hören und die Frau nicht sehen konnten, hatten eine wesentlich höhere Trefferquote als die, die auch Mimik und Körpersprache beurteilt haben. Die haben die Schummelstory größtenteils geglaubt.

Auch NLP bietet keine Lösung

Häufig wird von Laien auch eine Technik aus dem Werkzeugkasten des umstrittenen NLP (Neurolinguistisches Programmieren) zur Identifizierung von Lügnern in Betracht gezogen. Im NLP geht man u.a. davon aus, dass sich Lügner durch ihre Augenbewegungen verraten: Ein Mensch soll demzufolge dann lügen, wenn er nach rechts oben blickt, während eine Person mit Blick nach links oben die Wahrheit spricht. In einem Experiment testeten Forscher der University of Edinburgh 32 Rechtshänder; bei ihnen sollten diesen Annahmen zufolge die Lüge und der Blick nach rechts eng verknüpft sein. Einige Probanden wurden aufgefordert, zu einem bestimmten Sachverhalt zu lügen, während andere die Wahrheit sagen sollten. Die Videoauswertung der Interviews hinsichtlich kurzer und längerer Blicke nach links und rechts oben ließen keinen Zusammenhang zwischen Wahrheitsgehalt der Aussage und Blickrichtung erkennen. Zwar kann man davon ausgehen, dass die spezifische Augenbewegung mit geistiger Anstrengung zu tun hat, etwa dem Abrufen von Wissen oder dem Rekapitulieren einer Geschichte; sie ist aber nicht spezifisch für das Lügen. Somit lassen sich Lügner auch nicht mittels NLP-Techniken identifizieren.

Kriterien mit denen sich Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden lassen

Seriöse psychologische Gutachter stellen bei ihren Glaubwürdigkeitsanalysen allein auf inhaltliche Gesichtspunkte ab: Ein Kriterium das dafür spricht, dass eine Schilderung wahr ist, ist zum Beispiel Detailtreue einer Aussage, also wenn die Zeugen auch scheinbare Nebensächlichkeiten genau beschreiben können. Auch die Schilderung von Unterbrechungen in einem Geschehensablauf sind fast immer ein Beweis, dass ein Zeuge die Wahrheit sagt.

Folgende weitere Kriterien sprechen ebenfalls für die Glaubhaftig einer Aussage:

  • konkrete, anschauliche Schilderung
  • Detailreichtum und Zugeben von Erinnerungslücken
  • Schilderung abgebrochener Handlungsketten und von Unverstandenem
  • Selbstkorrekturen und Belastungen
  • Originalität
  • Innere Stimmigkeit (Logische Konsistenz)
  • Sachverhaltstypische Details.

Eine bewusste Lüge dagegen muss der Lügner aus seinem Alltagswissen konstruieren. Daher wird er seine Aussage eher karg, abstrakt und detailarm halten. Er wird auch versuchen seine Darstellung glatt und ohne Komplikationen zu halten. Kommt es in der Aussage zu Strukturbrüchen, so spricht dies auch dafür, dass die Aussage eher unwahr ist.

Wer eine Lüge sagt, merkt nicht, welch große Aufgabe er übernimmt; denn er wird gezwungen sein, zwanzig weitere zu finden, um diese eine aufrechtzuerhalten.
Alexander Pope (englischer Dichter)

Aber: Trotz aller Indizien können auch erfahrene forensische Psychologen nicht immer zweifelsfrei sagen, ob ein Zeuge gelogen hat. Mit Hilfe der Glaubhaftigkeitsbegutachtung lässt sich bestenfalls einschätzen, ob jemand gelogen haben könnte.

Allerdings ist auch unter zugrundelegung dieser Kriterien erfahrenen Profis eine 100%ige Unterscheidung von Wahrheit und Lüge nicht möglich.

Zu meinen Vortragsprogrammen: Blöff! und Ich sehe was, was Du nicht siehst.