Marco Bragadino – der Goldmacher des Bayerischen Herzogs

Wie der schillernde Alchemist und Hofmagier von Wilhelm V. aufs Schaffott kam.

 Am 26. April 1591 wurde auf dem Münchner Weinmarkt – dem heutigen Marienplatz – ein Mann enthauptet.  Zusammen mit ihm wurden auch seine zwei schwarzen Doggen hingerichtet. Bei dem unglücklichen Opfer dieses letalen öffentlichen Spektakels handelte es sich um niemand geringeren als um Marco Bragadino – den Hofmagier und Alchemisten des bayerischen Herzogs.

Mit falschem Namen und Titel durch Europa

Marco Bragadino wurde Mitte des 16. Jahrhunderts unter dem Namen Marco Antonio Mamugnà auf Zypern geboren. Von dort zog es ihn dann schon in jungen Jahren zunächst nach Venedig, wo er ohne große Bildung zu besitzen eintraf und sich entschied die „Kunst des Goldmachens“ zu erlernen. Er nahm hier auch den Namen Bragadino an der sich auf ein altes Adelsgeschlecht und einen venezianischen Seehelden bezog und der in ganz Europa einen untadeligen Ruf hatte. Außerdem legte er sich auch noch einen Grafentitel zu. Der neue Name und der Grafentitel öffneten ihm – wie erhofft – in Europa überall die Tore zu Adels- und Herrscherhäusern. Und da zu dieser Zeit an vielen Fürstenhäusern chronischer Geldmangel herrschte, war Bragadino als Alchemist und Goldmacher auch überall ein gefragter Mann. Er durfte sich natürlich nirgends zu lange aufhalten, denn einen wirklichen Beweis für sein Können musste er zwangsläufig schuldig bleiben.

Am Bayerischen Hofe als Günstling des Herzogs

Herzog Wilhelm V. von Bayern auf einem Gemälde von Hans von Aachen.

Herzog Wilhelm V. von Bayern auf einem Gemälde von Hans von Aachen.

Über Florenz, Rom, Flandern und England kam er schließlich auch nach Bayern. Zuerst nach Landshut und dann auch in die Residenzstadt München wo er den bayerischen Herzog Wilhelm V. mit seiner angeblichen Fähigkeit, Gold herstellen zu können, täuschte: In einem Gewölbe der Münchner Herzogsburg veranstaltet Bragadino einen aufwendigen Hokuspokus mit kochendem Quecksilber, allerlei Pülverchen und blauen Flammen im Kohlebecken – dazu noch lateinische Beschwörungsformeln und ein paar laut gebetete Ave Maria. Da das alleine aber noch kein Gold ergab bedurfte es zusätzlich noch einer geschickten Täuschungshandlung: Als der Herzug kurz abgelenkt ist, lässt Bragadino heimlich etwas Goldstaub in den Schmelztiegel rieseln und schon ist der Boden des Topfes nach dem Abkühlen von einer hauchdünnen Goldschicht überzogen! Das überzeugt Wilhelm V. und er hofft nun darauf, dass es mit Hilfe von Bragadino gelingen könnte seinen nach Kriegen, Kirchenbauten und durch eine aufwändige Hofhaltung sehr strapazierten Staatshaushalt zu sanieren. So wurde Bragadino Wilhelms Hofmagier, Alchemist und auch dessen Günstling und Vertrauter.

Das schaurige Ende eines Hochstaplers und Betrügers

Fast 12 Monate ließ sich der Scharlatan am bayerischen Hof fürstliche aushalten und lebte dabei in Saus und Braus. Er verlangte vom Herzog Gold als Ausgangsmaterialn um dieses vermehren zu können. Jedoch verwendete die erhaltenen letzten Reserven Wilhelms V. nicht zur Goldproduktion sondern zur Finanzierung seines eigenen aufwändigen Lebenswandels. Bragadinos verschwenderischer Stil brachte aber auch in kurzer Zeit eine Menge von Neidern und Kritikern gegen ihn auf. Als es ihm nicht gelang das erhoffte Gold zu produzieren schafften es die Landstände schließlich ihn zu verhaften und des Betruges zu überführen und dann auch erst vor Gericht und schließlich aufs Schaffott zu bringen. Angeblich hatte der Scharfrichter bei der Hinrichtung Bragadinos keinen guten Tag. Er brauchte drei Schläge um das Haupt vom Rumpf zu trennen. Die versammelte Menge reagierte erbost ob dieser schlechten Performance so dass sich der Henker selbst übelsten Anfeindungen ausgesetzt sah.

Bragadinos Bedeutung als schillernde Figur eines Alchemisten am bayerischen Herzogshof wird heute noch in den alljährlichen Faschingsvorlesungen des Lehrstuhls für Anorganische Chemie an der Technischen Universität München gedacht.

Zu meinen Vorträgen: Blöff, Das große (Ent-)Täuschungsmanöver