Studien mit Social Media Daten: Skepsis ist angesagt.

Sozialwissenschaftler warnen vor einem naiven Umgang mit Datenmaterial aus sozialen Netzwerken.

Daten aus sozialen Netzwerken geben oftmals nur ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit wider. © boygostockphoto / Fotlolia.de

Die Daten von Social-Media-Plattformen gelten heute vielen als geeigneter  Seismograph für das Denken und Fühlen der Menschen. Jedoch sollten derartige Daten und Analyseergebnisse mit größter Skepsis betrachtet werden. Darauf weisen zwei Forscher im Fachblatt „Science“ hin und warnen vor einer allzu naiven Nutzung solcher Daten. Diese seien oft nicht repräsentativ, verzerrt und wegen diverser Einschränkungen der Social-Media- Plattformen ungenau. Zu diesem Ergebnis kommen die beiden Wissenschaftler Jürgen Pfeffer von der Carnegie Mellon University und sein Kollege Derek Ruths.

Die erkannten Probleme sind dabei vielfältig – Ergebnisverzerrungen können sich zum Beispiel daraus ergeben, dass jede Social-Media-Plattform ihre ganz spezielle Nutzerschaft mit einem speziellen soziodemografischen Profil hat. Und auch die spezifischen Nutzerschnittstellen der einzelnen Plattformen beeinflussen das Verhalten der Nutzer. (z.B. gibt es bei Facebock nur einen „Gefällt mir“ und  keinen „Gefällt mir nicht“-Button). Und darüber hinaus verfälschen inzwischen auch eine Vielzahl von Bots und Spammern die Daten; ob hinter allen Accounts auch echte Nutzer oder nur Bots und Agenturen stecken lässt sich nicht feststellen. Die meisten dieser Probleme seien nicht einmal neu. Man kennt sie auch aus Meinungsumfragen und Wahlprognosen. Die meisten Social-Media-Studien würden jedoch noch immer von Nicht-Sozialwissenschaftlern durchgeführt, denen die nötige Grundskepsis fehle.

Zur Website des Studien-Autors Jürgen Pfeffer

Die Studie im Magazin Science

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