Alles getürkt!

Wie im 18. Jahrhundert der berühmte Schachtürke ganz Europa zum Staunen brachte.

Im Jahr 1769 baute der österreich-ungarische Hofbeamte und Mechaniker Baron Wolfgang von Kempelen einen geheimnisvollen Apparat: Hinter einem Schachbrett saß eine Puppe, die wie ein Osmane mit Turban und Mantel gekleidet war. Aufgrund der Kostümierung wurde die Wundermaschine als der legendäre „Schachtürke“ bekannt. Diese Maschine war angeblich in der Lage auch die besten Schachspieler im königlichen Spiel zu schlagen. Rasch machte die Kunde über das vermeintliche Weltwunder an den europäischen Höfen und später in Amerika die Runde. Wie von Zauberhand schlug der Schachtürke neben Friedrich den Großen und anderen gekrönten Häuptern auch viele andere berühmte Schachspieler. Gute 200 Jahre bevor die ersten Schachcomputer Verbreitung fanden gab es also schon eine erste Maschine die selbständig „denken“ konnte.

Der Türke begann immer die Partie, hob den linken Arm, bewegte die Schachfigur und legte den Arm dann wieder auf ein Polster zurück. Bei jedem Zug des Gegners blickte er auf dem Brett umher. War der Zug falsch, schüttelte er den Kopf und korrigierte die Position der Figur. Bei Gardez nickte er zweimal, bei Schach dreimal mit dem Kopf. Alle Bewegungen waren von einem Geräusch ähnlich dem eines ablaufenden Uhrwerks begleitet.

Wie funktionierte dieser Wunderapparat?

War dieser Schachtürke eine frühe Form der KI – Künstlichen Intelligenz? Mitnichten. Im Inneren des Kastens unter dem Schachbrett verbarg sich ein Mensch. Dieser führte mittels einer komplizierten Mechanik oben auf dem Brett die Züge aus. Kempelen öffnete zwar vor jeder Vorstellung den großen Kasten vor dem „Schachtürken“, doch die Schaulustigen entdeckten darin nie den geschickt versteckten kleinen Meisterspieler.

Übrigens: Der Ausdruck „etwas sei getürkt“ fand tatsächlich seinen Ursprung in diesem Illusionsapparat bzw. in der öffentlichen Aufdeckung seines Geheimnisses.

Nicht getürkt: Kempelens Sprechautomat

Kempelen, der Konstrukteur des Schachautomats machte aber auch noch durch eine zweite Erfindung von sich reden: Mit einer Sprechmaschine, die im Gegensatz zum Schach-Türken kein Fake, sondern eine durchaus respektabler und funktionstüchtiger Automat war. Die Funktionsweise der Sprechmaschine (je nach Quelle auch: Sprachmaschine oder sprechende Maschine) basierte auf dem Konzept einer möglichst naturgetreuen Nachbildung der menschlichen Sprechorgane. Es handelte sich bei ihr um die erste grundsätzlich funktionstüchtige Konstruktion zur Sprachsynthese überhaupt und war eine für die damalige Zeit hoch bedeutsame wissenschaftliche Leistung darstellt. Ein Nachbau der Sprechmaschine befindet sich im Deutschen Museum in München.

Zum meinen Vorträgen: Über die Kunst das Zauberns, 42: Das Algorithmen-Abracadabra, Das große (Ent-) Täuschungsmanöver

Kempelens Sprechmaschine im Deutschen Museum