Das goldene Zeitalter der Magie

Im 19.Jahrhundert entwickelte sich die Zauberkunst zu einer der populärsten Unterhaltungsformen

Vorführung von Jean-Eugene Robert-Houdin.

Bevor sich die Technisierung und Aufklärung in Europa verbreitete wurde von vielen Menschen alles in einen Topf geworfen: Hexen, Vapire und Dampfmaschinen, Geister und Gaukler, Elektritszität und Okkultismus. Mit der sich dann im 19. Jahrhundert schnell verbreitenden Technisierung wurde aus der bloßen Taschenspielerei die mechanisierte Magie. Gerade die Magier und Zauberkünstler verstanden es, die Erkenntnisse der Naturwissenschaften und der Technik für ihre Kunststücke dienbar zu machen. Jede neue technische Entdeckung oder Erfindung wurde von den Zauberkünstlern sofort dahingegehend untersucht, ob sie sich daraus auch ein neues verblüffendes Kunststück entwicklen ließe. Und durch geschickte Verschleierung und Tarnung machten sie damit wieder zum Geheimnis, was Forscher und Erfinder offengelegt hatten. Die Fingerfertigkeitskünstler wurden zu Technikern der Täuschung, die geschickte Apparate und Präszisionsgeräte konstruierten.

Robert Houdin – ein Uhrmacher wird zum Vater der modernen Magie

Und so war es nur konsequent, dass als Vater der modernen Magie der französische Uhrmacher Robert-Houdin zu nennen ist. Robert-Houdin war wahrscheinlich der erste Zauberkünstler, der sich systematisch magnetischer, hydraulischer und elektrischer Prinzipien bediente. Er genoss zu seinen Lebzeiten unwahrscheinliche Popularität und verzauberte mit seinen Kunststücken auch den französischen „Bürgerkönig“ Louis-Philippe (dieser war selbst übrigens ein begeisterter Hobbyzauberkünstler) und die englische Königin Victoria. Seinem Erfindergeist schienen keine Grenzen gesetzt; er verstand es, seine Experimente auch wirkungsvoll und theatralisch in Szene zu setzen. Und somit war sein Einfluss auf die gesamte europäische Zauberkunst des 19. Jahrhunderts beträchtlich.

Ein Zauberkünstler ist ein Schauspieler, der einen Zauberer spielt.
J.E. Robert-Houdin

Ludwig Döbler und Johann Nepomuk Hofzinser – zwei legendäre Wiener Magier

Im 18. Und 19. Jahrhundert hielt die Zauberkunst auch Einzug in die Salons der feinen Gesellschaft, ins Varieté und ins Ludwig DoeblerTheater. Die Artistik der Täuschung wandelte sich zur Bühnenkunst. Neben dem bereits erwähnten Robert Houdin dürfen auch zwei weitere Namen aus dieser Zeit nicht unerwähnt bleiben: Die der beiden Wiener Zauberkünstler Ludwig Döbler und Nepomuk Hofzinser. Während Döbler einer der bekannstesten Bühnenkünstler war, der neben vielen prominenten und gekrönten Häuptern u.a. auch Johann Wolfgang von Goethe verzaubern durfte, betrieb der Finanzbeamte Johann Nepomuk Hofzinser die Zauberkunst zunächst nur als Freitzeitbeschäftigung. Er trat zwar regelmäßig in den Salons der feinen Wiener Gesellschaft als gern gesehner Gast auf und entwickelte einige legendäre Kunststücke und Kartenexperimente, schaffte es jedoch nie ein erfolgreicher Berufszauberer zu werden, der allein von seiner Kunst leben konnte.

Ein deutscher Zauberkünstler feiert Erfolge in Übersee

Als herausragender deutscher Zauberkünstler des 19. Jahrhunderts sollte der aus Münster stammende Alexander Heimbürger (1819 bis 1909) genannt werden, der unter dem heimbuergerNamen „Alexander the conjurer“ vor allem in Nord- und Südamerika Erfolge feiern konnte. Unter anderem trat er auch im Weißen Haus vor dem amerikanischen Präsidenten James K. Polk und dem brasilianischen Kaiser Pedro II. Letzterer besuchte Heimbürger dann einige Jahre später selbst anlässlich einer Deutschlandreise in Münster.

Nicht zuletzt aufgrund dieser überragenden magischen Persönlichkeiten, denen natürlich viele andere mit mehr oder weniger großem Erfolg nach zu eifern versuchten, wurde die Magie im 19. Jahrhundert en vogue. Und auch Goethe schenkte seinen Enkeln zu Weihnachten einen der ersten Zauberkästen. Der Dichterfürst schreibt dazu: “

Das Taschenspiel ist besonders in Gegenwart eines kleinen Publikums ein herrliches Mittel zur übung in freier Rede und zur Erlangung einiger körperlicher und geistiger Gewandtheit.

Am Ende steht die Erfindung einer neuen Illusionskunst

Das goldene Zeitalter der Zauberkunst endete fast zeitgleich mit der Entwicklung des Massenmediums Film zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Interessanterweise war einer der ersten großen Pioniere dieses neuen Mediums ebenfalls ein bekannter Zauberkünstler: Der Pariser George_MeliesZauberer Georges Méliès erhoffte sich von der Erfindung der Kinematographie eine interessante Möglichkeit zur Realisierung bisher nie geahnter Illusionen. Ab 1896 drehte er in einem eigenen Filmstudio in Personalunion als Autor, Regisseur, Produzent und Darsteller mehrere hundert Kurzfilme mit meist magischen Themen und Handlungen.

Zu meinem Vortragsprogramm: Über die Kunst des Zauberns