Ein Magier verzaubert den einsamen Märchenkönig

Der amerikanische Zauberkünstler Hertz berichtet über eine Privatvorstellung für König Ludwig II.

Ludwig II. auf einem Gemälde von von Wilhelm Tauber, 1864

Der amerikanische Magier Carl Hertz berichtet in seinen Lebenserinnerungen auch von seinem Zusammentreffen mit dem Bayerischen König Ludwig II:

In München hatte ich das einzigartige Erlebnis, meine Kunst einem Auditorium vorzuführen, das nur aus einem einzigen Zuschauer bestand, und dieser war kein Geringerer als König Ludwig II. Wie allgemein bekannt ist, nahm gegen Ende seines Lebens seine Liebe zur Zurückgezogenheit und Einsamkeit solche Formen an, dass er niemandem erlaubte außer ihm die Stücke zu sehen, die in seinem eigenen kleinen aber wunderschön dekorierten Theater stattfanden. Auch bei meiner Vorführung saß er allein in seiner Loge und schien sehr interessiert und erfreut von meinen Darbietungen. Er lachte und applaudierte wiederholt. Am Ende der Vorstellung winkte er mich zu sich heran, beglückwünschte mich und sprach mit mir sehr freundlich während mehrere Minuten. Er war recht liebenswürdig, und hätte ich nicht soviel über seine Eigenartigkeiten gehört, würde ich ihn als ebenso vernünftig angesehen haben wie jeden anderen Menschen, den ich in meinem Leben traf. In der Tat, er überraschte mich mit seiner außergewöhnlichen Intelligenz.

Eine Separatvorstellung für König Ludwig wie sie hier geschildert wurde, war indes nichts ungewöhnliches am Münchner Hofe. Und solche gab es auch nicht – wie der Text vermuten lässt – erst in den letzten Lebensjahren von Ludwig II, sondern schon von Anbeginn seiner Regentschaft an.

König Ludwig II. hasste es nach eigener Auskunft im Theater von den anderen Zuschauern angestart und beobachtet zu werden. Deshalb ließ er während seiner Regentschaft mehrere hundert Privatvorstellungen von Schauspielen und Opern aufführen. Zu den Werken gehörten die Opern Richard Wagners und Christoph Wilibald Glucks ebenso wie Stücke zur französischen, englischen und mittelalterlichen Geschichte. Sein Lieblings-Stück aber – das er sich regelmäßig am Vorabend des Todes Ludwig XV. von Frankreich aufführen ließ. – war übrigens „Narziß“ von Emil Brachvogel.

Der König selbst begründete seinen Wunsch nach Seperatvorstellungen in einem Brief an Richard Wagner so:

„Ich kann keine Illusion im Theater haben solange die Leute mich unausgesetzt anstarren und mit ihren Operngläsern jede meiner Mienen verfolgen. Ich will selbst schauen aber kein Schauobjekt für die Menge sein.“

Cuvillies Theater München.

Cuvillies Theater München. Foto Luc. (Quelle wikipedia.de)

Das hier im Text von Carl Hertz geschilderte Theater war übrigens das Cuvillés-Theater in der Münchner Residenz, es gilt als eine Perle des höfischen Rokoko und kann auch heute noch besichtigt werden. Es finden dort auch immer noch Theateraufführungen statt; ein Besuch lohnt sich. Ludwig II. ließ dieses Theater im Jahr 1883 als erste Bühne Deutschlands elektrifizieren.

 

Zu meinem Programm: Über die Kunst des Zauberns

Wer auf „magische Art und Weise“ noch mehr über König Ludwig II. erfahren möchte, dem sei die AR-App der Bayerischen Staatsbibliothek wärmstens empfohlen.