Virtuelle Schwindelbude

"Schwarze" Online-PR als Dienstleistung: Mit Fake Profilen wird die Öffentlichkeit getäuscht.

Zweifelhafte Online-PR mit Fake-Profilen © fotoscool / fotolia.de

Wie sagte die Kabarettistin Simone Solga mal so schön:

„Marketing ist FÜR dumm verkaufen – Vertrieb ist AN dumm verkaufen.“

Diese Weisheit bewahrheitet sich einmal mehr, wenn man das Geschäftsmodell einer österreichischen Social-Media-Agentur betrachtet welches offenbar darin bestand gegen Einwurf kleiner Münzen mit Fake-Accounts in Nutzerforen falsche Produktbewertungen und Meinungsäußerungen zu Waren und Dienstleistungen abzugeben oder mit gezielten Fragen Meinungsäußerungen anderer Nutzer zu provozieren.  Erschrecken: Zu den Auftraggebern dieser virtuellen Schwindelbude zählten nicht Kaffeefahrtveranstalter sondern namhafte Unternehmen wie Bayer, Opel oder TUI.

Plumpe Täuschungsakte dieser Art haben nichts mit „Magic Marketing“ zu tun. Ganz im Gegenteil: Solche biligen Tricks gehören in die Kategorie: Nepper, Schlepper, Bauernfänger und sind in keiner Weise erhaben. Es verwundert doch sehr, was bekannte Marken dazu verleitet sich solcher kruden Methoden zu bedienen – die zudem auch wettbewerbswidrig sind. Wer durch seine „Kommunikationsexperten“ derlei Blendwerk in Auftrag gibt kann das teure Leitbild gleich in die Tonne treten. Viral geht anders!

Mal ganz abgesehen von allen ethischen Aspekten fragt man sich als erfahrener Täuschungskünstler aber schon: Wie kann man als Marketeer so doof sein zu glauben, dass derlei Handeln nicht über kurz oder lang auffliegt; Lügen haben bekanntlich kurze Beine und am Ende ist der Schaden immer größer als der Nutzen – sowohl intern als auch extern. Leider ist auch in großen Unternehmen oftmals das Marketing die Abteilung in der Blödmannsgehilfen dauerhaft das sicherste Auskommen haben. Hier scheint offenbar ein grundlegende Missverständnis darüber vorzuliegen wie eine nachhaltige Kommunikationsstrategie im Online-Zeitalter funktioniert…

Hier gibts mehr zu diesem Thema auf sueddeutsche.de:

http://www.sueddeutsche.de/digital/heimliche-werbung-im-internet-das-geschaeft-mit-der-gefaelschten-meinung-1.2211777

Zum Schluss noch ein kreatives Beispiel, wie man in sozialen Netzwerken „geschickter“ schwindeln kann: Eine niederländische Studentin täuschte fünf Wochen lang durch manipulierte Facebook-Einträge und Foto-Postings ihr soziales Umfeld: Ihre „Freunde“ sollten glauben, sie befände sich auf einer mehrwöchtigen Asienreise. Die meisten vielen auch drauf rein – allerdings war der Zweck dieses Schwindels nachvollziehbar und entschuldbar: Es ging um eine Bachelor-Arbeit im Bereich Grafik-Design; die Studentin wollte zeigen, wie man mit geschickter Bildmanipulation die Wahrnehmung manipulieren kann…

Hier der Beitrag zu diesem Thema:

http://www.spiegel.de/unispiegel/heft/facebook-luege-hollaendische-studentin-taeuscht-asien-reise-vor-a-998943.html

Zu meinem Vortrag: Magic Marketing.