Magic Marketing: Der Reis ist heiß.

Reissack Diese Abbildung zeigt nicht den im Artikel beschriebenen magischen Reis sondern einen unlängst in China umgefallenen Reissack. (Was allerdings keinen interessieren dürfte...)

Ein geradzu klassisches Beispiel für Magic Marketing habe ich heute zufällig entdeckt:

Laotoa – ein Vertriebsunternehmen edler Reissorten bietet in seinem Sortiment nun auch ein wahrhaft „magisches Produkt“ an: „Wizard of Laos – Der magische Reis der Zauberer“ nennt sich das wundervolle asiatische Grundnahrungsmittel verheißungsvoll. Und wenn man dem Produkttext Glauben schenkt, dann wohnen diesem Reis tatsächlich magische Kräfte inne. Er vermag nämlich beim Kochen seine Farbe zu verändern. Von weiss zu violett. Wenns tatsächlich funktioniert, dann ist das in der Tat gar kein schlechter Effekt und der Reis hat – mal abgesehen von all den anderen magischen Wirkungen, die ihm nachgesagt werden, tatsächlich etwas zauberhaftes; was den durchaus gehobenen Preis von 4,49 EUR für 300 Gramm sicherlich „aufwiegt“. Und in einer schönen und edlen Verpackung gibts das Ganze auch noch… Was will man mehr?

Auf ihrer Website findet sich auch ein Philosophicum das die Geheimnisse des kleinen Reiskorns in direktem Zusammenhang mit Urthemen unseres Lebens zu bringen versucht… Ob das gelingt, mag jeder selbst beurteilen. Als gut gemachtes Beispiel für die Technik des „Storytellings“ ist die Website auf jeden Fall geeignet.

http://www.lotao.com/kulinarium/lotao-deli/wizard-of-laos/

Apropos Reis…. da fällt mir doch auch noch diese schöne alte Legende ein:

Der indische Herrscher Shihram tyrannisierte seine Untertanen und stürzte sein Land in Not und Elend. Um die Aufmerksamkeit des Königs auf seine Fehler zu lenken, ohne seinen Zorn zu entfachen, schuf Dahirs Sohn, der weise Brahmane Sissa, ein Spiel, in dem der König als wichtigste Figur ohne Hilfe anderer Figuren und Bauern nichts ausrichten kann. Der Unterricht im Schachspiel machte auf Shihram einen starken Eindruck. Er wurde milder und ließ das Schachspiel verbreiten, damit alle davon Kenntnis nähmen. Um sich für die anschauliche Lehre von Lebensweisheit und zugleich Unterhaltung zu bedanken, gewährte er dem Brahmanen einen freien Wunsch. Dieser wünschte sich nichts als Reiskörner: Auf das erste Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf das zweite Feld das doppelte, also zwei, auf das dritte wiederum die doppelte Menge, also vier und so weiter. Der König lachte und war gleichzeitig erbost über die vermeintliche Bescheidenheit des Brahmanen.

Sissa erfindet das Schachspiel.

Sissa erfindet das Schachspiel.

Als sich Shihram einige Tage später erkundigte, ob Sissa seine Belohnung in Empfang genommen habe, musste er hören, dass die Rechenmeister die Menge der Reiskörner noch nicht berechnet hätten. Der Vorsteher der Kornkammer meldete nach mehreren Tagen ununterbrochener Arbeit, dass er diese Menge Getreidekörner im ganzen Reich nicht aufbringen könne. Auf allen Feldern eines Schachbretts zusammen wären es 264−1 oder 18.446.744.073.709.551.615 (≈ 18,45 Trillionen) Reiskörner. (Die gesamte Menge Reis, die sich auf dem Schachbrett befände (ca. 922 Mrd. t), entspricht einem Vielfachen der gesamten weltweiten Reisernte). Nun stellte er sich die Frage, wie das Versprechen eingelöst werden könne. Der Rechenmeister half dem Herrscher aus der Verlegenheit, indem er ihm empfahl, er solle Sissa ibn Dahir ganz einfach das Getreide Korn für Korn zählen lassen.

Das was der Herrscher seinerzeit unterschätzt hatte war die Dynamik einer Exponentialfunktion. Und leider ist das heute nicht anders…

Dieser Beitrag passt zum Vortrag Magic Marketing.

Die Geschichte vom „Reis auf dem Schachbrett“ ist Teil meines Dinner-Programms Mind, Meal and Magic.